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Reaktion auf Baker-Bericht

 
   

Süddeutsche Zeitung
Bush will noch vor Weihnachten über Irak-Strategie entscheiden
Die Debatte über das weitere Vorgehen im Irak ist in vollem Gange. Nach einem Bericht der Washington Post will der US-Präsident bald eine Entscheidung treffen. Offenbar prüft die US-Regierung drei Optionen.

Eine Variante beinhaltet nach Informationen der Washington Post eine kurzzeitige Aufstockung der Truppen um 15.000 bis 30.000 Mann, um die Sicherheit in Bagdad zu verstärken und die Ausbildung der irakischen Sicherheitskräfte zu beschleunigen.
Der zweite Ansatz sehe vor, die US-Streitkräfte aus dem innerirakischen Konflikt herauszuhalten, damit sie sich auf den Kampf gegen Terroristen konzentrieren könnten. Die dritte Option besage, die politische Unterstützung der schiitischen Mehrheit auszubauen, während Verhandlungsversuche mit sunnitischen Aufständischen aufgegeben werden sollen


Alternative zu Baker-Empfehlungen
Das Weiße Haus wolle dadurch gemeinsam mit Außenministerium, Nationalem Sicherheitsrat, CIA und Pentagon eine Alternative zu den Empfehlungen der so genannten Baker-Kommission zu entwerfen, schreibt die Zeitung unter Berufung auf Regierungsbeamte.
Das Ergebnis werde George W. Bush möglicherweise bereits in einer Rede an die Nation in der Woche nach dem 18. Dezember bekannt geben.
Die unabhängige Expertenkommission unter Leitung von Ex-Außenminister James Baker und des Demokraten Lee Hamilton hatte am Mittwoch ihren Bericht zur Irak-Politik vorgelegt. Darin wird unter anderem ein Abzug der US-Kampftruppen bis 2008 und eine neue diplomatische Offensive, die auch Gespräche mit dem Iran und Syrien einschließt, empfohlen.
Eine klare Absage erteilte der US-Präsident erneut der Möglichkeit eines „übereilten“ Rückzugs der US-Truppen. In seiner wöchentlichen Radioansprache sagte Bush am Samstag, auch die Baker-Kommission habe darauf hingewiesen, dass sich in diesem Falle die Konflikte zwischen den Bevölkerungsgruppen verschärfen würden und ein Machtvakuum entstehen könnte, das noch mehr Leid über die Iraker bringe. Die Vorschläge der Baker-Kommission nannte er „durchdacht“.


Mehr Verantwortung für Iraker
Der US-Präsident hat noch zwei weitere Studien zur künftigen Strategie im Irak beim Nationalen Sicherheitsrat und beim Generalstab in Auftrag gegeben.
Nach Angaben der Washington Post verstärkt sich bei der Diskussion innerhalb der Bush-Regierung über den Irak die Absicht, die Verantwortung für die Lösung der innerirakischen Probleme den Irakern zu übertragen. Nicht näher bezeichneten Quellen zufolge ist die Debatte mittlerweile von „Ermattung, Frustration und dem wachsenden Wunsch geprägt, sich vom Irak freizumachen“.


Stärkeres deutsches Engagement gefordert
Der neue Irak-Kurs stand auch im Mittelpunkt der Beratungen von Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) mit US-Kollegin Condoleezza Rice in Washington. US-Botschafter William R. Timken appellierte an Deutschland, sich im Irak mehr zu engagieren
. Rice sagte nach ihrem Treffen mit Steinmeier in Washington, die USA würden bei einer Lösung im Irak eine „größere internationale Beteiligung sehr unterstützen“.
Steinmeier bezeichnete das mehrstündige Gespräch als „intensiv und ertragreich“. Ob und inwiefern sich Deutschland an einer von der Baker-Kommission empfohlenen Unterstützergruppe für eine diplomatische Beilegung des Konflikts beteiligen könnte, ließ er offen.
Laut dem Staatsminister im Außenamt, Gernot Erler (SPD), wird Steinmeier bei der Suche nach einer Lösung weiter auf eine Einbindung der Regionalmächte Iran und Syrien drängen. Diese Empfehlung der Baker-Kommission lehnt Bush bisher ab.
Im Hinblick auf seine Forderung nach einem größeren Engagement Berlins im Irak sagte US-Botschafter Timken, Deutschland sei die drittgrößte Wirtschaftsmacht der Welt und somit ein Land mit großen Fähigkeiten und Möglichkeiten. Deutschland und Europa hätten wie die USA ein Interesse an einer funktionierenden Demokratie im Irak, sagte Timken im Deutschlandradio Kultur.


Deutsche Nahost-Initiative angekündigt
Für die bevorstehende deutsche Ratspräsidentschaft der EU kündigte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) neue Initiativen im Nahost-Friedensprozess an, die vor allem die Bemühungen um einen Ausgleich zwischen Israel und den Palästinensern vorantreiben sollen.
Zum Bericht der Baker-Kommission sagte Merkel, sie unterstütze „eine umfassende diplomatische Initiative, bei der der Irak auch seine Nachbarstaaten mit einbezieht“.

 

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Vebûna malperê 21.06.2005