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Das globalisierte Weihnachtsfest

 
   

Henrike Roßbach
Weihnachten gilt in den meisten Familien die eherne Regel: Alles soll so sein wie immer. Heimelig, traditionell und am liebsten ein bißchen altmodisch. In Wahrheit aber ist das Weihnachtsfest zum Spiegelbild der modernen Wirtschaftswelt geworden.
Die Globalisierung hat sich in die Festtagsstuben geschlichen, hat sich rund um Christbaum, Gabentisch und Küche breitgemacht. Die Zeiten, in denen Opa im Wald eine Fichte fällt, während im Ofen die übers Jahr gemästete Hausgans brät und die Kinder den Familien-Christbaumschmuck aus Thüringen auspacken, sind fast überall vorbei.
    Importbäume
Es fängt schon mit dem Weihnachtsbaum an. Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald schätzt, daß die Deutschen in diesem Jahr wieder mehr als 27 Millionen Bäume schmücken werden. Knapp ein Drittel stamme nicht aus heimischen Pflanzungen, sondern aus dem Ausland - vor allem aus Dänemark, dem wichtigsten Weihnachtsbaumexporteur Europas.
Das Statistische Bundesamt zählte 2005 allerdings nur knapp 3 Millionen Importbäume, darunter 2,8 Millionen aus Dänemark. Das kommt der dänischen Statistik recht nahe, nach der jährlich 3,1 Millionen Christbäume auf ihre erste und letzte Reise nach Deutschland geschickt werden. Am beliebtesten ist die Nordmanntanne. Sie nadelt wenig, pikst kaum und darf deshalb in jedes zweite Weihnachtswohnzimmer einziehen. Auf den Plätzen folgen Blaufichte, Edeltanne und Fichte.
   Christbaumkugeln im Wert von 19,3 Millionen Euro
Und dann der Schmuck: Was an den Zweigen glänzt und glitzert, hat meist eine noch weitere Reise hinter sich als der Baum selbst. Im vergangenen Jahr wurde, so hat es das Statistische Bundesamt registriert, gläserner Weihnachtsschmuck - also Christbaumkugeln - im Wert von 19,3 Millionen Euro eingeführt. Vor allem aus China, dem größten Weihnachtsschmuck-Produzentenland der Welt: 8,3 Millionen Euro war die zerbrechliche Einfuhr aus dem Reich der Mitte wert; mit 3,5 Millionen Euro lag Polen an zweiter Stelle.
In Deutschland gibt es nur noch drei größere Unternehmen, die Weihnachtsschmuck aus Glas herstellen. Das Produktionsvolumen lag im vergangenen Jahr bei knapp 9,3 Millionen Euro. Der Größte unter den Übriggebliebenen ist die Weihnachtsland Krebs & Sohn Vertriebs GmbH & Co KG, europäischer Marktführer für Christbaumschmuck. Rund 30 Millionen Kugeln produziert das Unternehmen aus Georgensgmünd im Jahr, zur Hälfte in Deutschland, zur Hälfte in Osteuropa. 5000 verschiedene Artikel sind im Programm, Kugeln unterschiedlichster Art, Glasvögel, Christbaumspitzen. „Um sich gegen China zu wehren, muß man Dinge tun, die China nicht kann“, sagt Vertriebsleiter Thomas Böck. So fertigt das Unternehmen für seine Kunden individuelle Kollektionen: Der Discounter bekommt eine andere als der Facheinzelhändler, von mundgeblasen bis maschinell gefertigt, von der 50-Cent-Kugel bis zum Glasgesamtkunstwerk. Dieses Jahr stieg die Produktion um 10 Prozent gegenüber 2005.
    Kerzen aus China
Noch größer als bei Christbaumkugeln ist das Importvolumen, wenn es um Weihnachtsdekoration geht, die nicht aus Glas ist. Holzpyramiden zum Beispiel, Lametta, Krippenfiguren oder Strohsterne. 2005 erreichte die Einfuhr einen Wert von 103,2 Millionen Euro. Allein die chinesischen Waren summierten sich auf 85,3 Millionen Euro. Deutsche Produzenten gibt es nur noch vier. Sie produzierten 2005 Waren im Wert von nur 5,2 Millionen Euro.
Nicht ganz so hoch liegt der ausländische Anteil beim weihnachtlichen Kerzenschein. Im vergangenen Jahr wurden mehr als 104.000 Tonnen Kerzen und Lichte importiert; fast 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Die inländische Produktion sank um 2,8 Prozent auf rund 123.000 Tonnen. Wichtigstes Lieferland für den adventlichen Kerzenhunger ist wieder einmal China. Über 44.000 Tonnen kamen 2005 aus der Volksrepublik auf den deutschen Markt. Dabei könnten die Chinesen selbst mit Kerzen nicht viel anfangen, sagt Peter Braun, Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Kerzenhersteller. Die Asiaten produzierten nur für den Export. Neben China sei in Osteuropa neue Konkurrenz entstanden. Zum Teil hätten auch deutsche Hersteller ihre Produktion dorthin verlagert.
   Lebkuchenberg
Der internationale Markt für Spielzeug ist fest in chinesischer Hand. Kinderaugen leuchten Heiligabend immer öfter wegen chinesischer Importware. Der Gesamtmarkt für traditionelles Spielzeug hatte im vergangenen Jahr nach Angaben des Deutschen Verbandes der Spielwaren-Industrie ein Volumen von rund 2,3 Milliarden Euro. Der Import stieg, verglichen mit 2004, um knapp 19 Prozent. Gut 57 Prozent der Einfuhr kamen aus China, ihr Wert betrug fast 1,8 Milliarden Euro. Der Export stieg dagegen nur leicht um 0,4 Prozent, die heimische Produktion sank um fast 9 Prozent. Allerdings schöpfen die deutschen Spielzeughersteller wieder Hoffnung. Im ersten Halbjahr des laufenden Jahres wuchs die Produktion zum ersten Mal seit langer Zeit wieder, und auch das Weihnachtsgeschäft läuft gut an.
Die zweite Leidenschaft der Kleinen, in der Hitliste irgendwo hinter dem Lego-Piratenschiff „Herrscher der Meere“, ist die weihnachtliche Schokoladenflut. Zumindest diese kommt zum größten Teil aus Deutschland. Rein rechnerisch hat jeder Bundesbürger nach Angaben des Bundesverbandes der Deutschen Süßwarenindustrie im vergangenen Jahr exakt 8,94 Kilogramm Schokolade gegessen. Fast 860.000 Tonnen Schokolade und Schokoladenwaren haben die etwa 80 industriellen Hersteller produziert. Zusätzlich wurden 181.000 Tonnen eingeführt, 303.000 Tonnen gingen in den Export. Die Menge der Schokoladen-Weihnachtsmänner hat im vergangenen Jahr 162,4 Millionen Stück oder 16.238 Tonnen erreicht. Der in Deutschland produzierte Lebkuchenberg wog mehr als 109.000 Tonnen.
    Mit und ohne Schale
Mindestens einen Mittelstreckenflug hat dagegen der beliebteste Weihnachtsbraten der Deutschen hinter sich - die Gans. 4000 Tonnen Gänsefleisch würden jedes Jahr in Deutschland produziert, heißt es bei der Zentralen Markt- und Preisberichtstelle in Bonn. Der Selbstversorgungsgrad der Deutschen liegt damit gerade einmal bei 14 Prozent. 2005 wurden deshalb 29.000 Tonnen Gans eingeführt, vorrangig ganze Tiefkühlgänse aus Polen und Ungarn, die im Lebensmitteleinzelhandel landen. Frische deutsche Gänse gibt es dagegen eher direkt beim Bauern oder auf dem Wochenmarkt.
Was die Klassiker „Apfel, Nuß und Mandelkern“ angeht, stammt nur ersterer aus heimischen Plantagen. Gut zwei Drittel aller Äpfel, die Privathaushalte in den Monaten Oktober, November und Dezember 2005 gekauft haben, waren deutscher Herkunft. Die Walnüsse auf den Weihnachtstellern kommen dagegen aus den Vereinigten Staaten und aus Frankreich, Haselnüsse ohne Schale aus der Türkei, mit Schale vom französischen Nachbarn. Süße Mandeln liefern Amerika und Spanien. Mit und ohne Schale.

 

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Vebûna malperê 21.06.2005