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Der weltliche Papst

 
   

Andrea Böhm
Kofi Annan wollte die große Reform der Vereinten Nationen anpacken. Durch den Irak-Krieg und Guantanamo wurde er zum Gegner der USA. Ein Rückblick auf den scheidenden UN-Generalsekretär.
Es war im Frühjahr 2001, als die Welt noch in Ordnung war. Kofi Annan jettete gerade durch Südasien. Da fragten ihn die begleitenden Journalisten, ob er, der so erfolgreiche Weltdiplomat, nicht auch den Taliban die Auslieferung Osama bin Ladens abhandeln könne. »Haben Sie eine Ahnung!«, antwortete er mit verschmitztem Lächeln. »Vielleicht habe ich ihn ja schon im Gepäckraum.«
Wenige Monate später war die Zeit für solche Scherze vorbei – und damit auch für Annans Erfolgserlebnisse. Es sei der unmöglichste Job auf der Welt, gab er vor einigen Tagen seinem Nachfolger Ban Ki-moon mit auf den Weg und fügte dann hinzu, was ihm keiner glauben wollte: »Aber auch der beste.« Anfang vergangenen Jahres soll Kofi Annan nahe daran gewesen sein, den »besten Job der Welt« hinzuwerfen – depressiv und zermürbt von einer amerikanischen Medienkampagne gegen ihn, die er selbst mit »einem Lynching« verglichen hat. Zunächst ging es damals um den Skandal des UN-Oil-for-Food-Programms im Irak und Kofi Annans verheerendes Management. In Wahrheit war es aber auch eine Strafaktion der amerikanischen Konservativen für Annans Opposition gegen den Irak-Krieg.
Er ist dann doch im Amt geblieben, sichtbar angeschlagen, aber am Ende auch ein wenig rehabilitiert durch das amerikanische Debakel im Mittleren Osten. Während Ban Ki-moon derzeit hinter verschlossenen Türen sein »Kabinett« zusammensucht, hat Annan bei seinen letzten öffentlichen Auftritten reichlich Hiebe ausgeteilt: gegen die internationale Gemeinschaft, die den Massenmord in Darfur geschehen lässt; gegen die Reformverweigerer in der UN-Generalversammlung und im Sicherheitsrat; und natürlich gegen Amerika, dem er in einer Abschiedsrede vorwarf, im Kampf gegen den Terrorismus die eigenen Ideale zu verraten. Diese Kritik ist inzwischen nicht mehr originell, aber der Ton ist ungewöhnlich. So bitter hat sich noch kein UN-Generalsekretär verabschiedet. Es hat wohl auch keiner in diesem Amt solche Höhen und Tiefen erlebt – und mit ihm die ganze Organisation.

 

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Vebûna malperê 21.06.2005