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Der Anschlag auf Ezidi-Kurden

 
   

Suleyman Deveci
Als mehrere Dörfer in Schengal im irakischen Teil von Kurdistan, welche von Mitgliedern der Ezidi (andere Schreibweisen im Westen sind: Yezidi, Yazidi, oder Jesiden) bewohnt werden, mit vier LKWs voll Öl überfallen wurden, zeigten die Vertreter der globalen Mainstream-Medien sofort mit dem Zeigefinger auf die angeblichen Attentäter: El-Kaida. Der Bombenanschlag ereignete sich zu einer Zeit, in der die kurdische Stadt Mosul kurz vor einem Volksreferendum steht, in dem darüber abgestimmt werden soll, ob Mosul in Zukunft zum Land der kurdischen Autonomie-Behörde gehören soll oder nicht. Obwohl dieser Ort schon seit Jahrtausenden eine kurdische Stadt ist, nämlich seit der Zeit der Kassiten, Gutis, Hurriter, Mitanni, Meder, welche die Urväter der Kurden sind, soll das Volk entscheiden, wohin seine Stadt gehört. Die Geschichte Mosuls muss von jedem Kurden studiert werden, um das Vorgehen internationaler hungriger Wölfe, Ausbeuter und Vergewaltiger besser verstehen zu können, bei deren Plünderungen es keine Ethik, Menschlichkeit und Ehre gibt.

Dieser Überfall hat eindeutige Spuren hinterlassen, die zeigen, wer die Antentäter wirklich sein könnten. Damit hängt zusammen, dass wie jeder Kurde weiß, das Datum „15. August“ der Tag des berühmten Ersten Schusses auf ihre Feinde für ihre ausbeuterische, zerstörerische Vernichtungspolitik ist, von dem an der Freiheitskampf der Kurden in der jüngsten Geschichte seinen Lauf nahm. Jener „Erste Schuss“ geschah durch die PKK im Jahre 1984. Um zu überleben, sich selbst zu verteidigen, griffen die Guerillas der damaligen PKK die Vorposten der türkischen Armee an. Nach dem 12. September 1980 litten besonders die Kurden unter der permanenten Militärherrschaft, unter der ihr Gebiet bis heute steht. Der 15. August aber war eine Antwort der Kurden. Ihr bis dahin nicht gestorbener, aber in einer Art Koma liegender Geist wurde dadurch wieder erweckt. Wer diesen Ersten Schuss gefeuert hat, spielt heute kaum eine große Rolle. Die große Mehrheit aller Kurden will und sieht nämlich als einzigen Weg, dieses Problem zu lösen, die Macht von Versöhnung, Brüderlichkeit und Frieden. Beinahe bereuen sie es, 1984 diesen Schuss abgefeuert zu haben. Obwohl es historisch gesehen ihr legitimes Recht war, versuchen sie sich heute vor der Weltöffentlichkeit zu rechtfertigen und mit den Türken zu verbrüdern.

Für mich sieht es also nicht danach aus, als handle es sich bei den Terrorakten der vergangenen Woche um eine weitere Aktion von El-Kaida oder anderer Sunni-Extremisten. Der neueste Überfall auf Ezidi-Kurden geht meiner Ansicht nach, dafür muss man nicht unbedingt ein erfahrener Geheimdienstmitarbeiter oder Journalist sein, auf das Konto des türkischen Staates. Es ist ein klares und deutliches Werk der türkischen Geheimagenten. Wenn man sich das Datum ansieht und die Geschichte der früheren Tätigkeiten der türkischen Agenten in dieser Provinz, gelangt man schnell zu dieser Schlussfolgerung. Außerdem muss man sich auch fragen, wer davon profitieren will. Seit geraumer Zeit finden im Ezidi-Gebiet ständig Provokationen statt, die sogar in westlichen Medien, wenn auch sehr rassistisch behandelt, einen Platz finden. Die Abmachungen der türkischen Behörden mit den aus Syrien und dem Iran stammenden El-Kaida-Kämpfern oder Unterstützern derselben wurden vor kurzem von kurdischen Journalisten veröffentlicht. Nach einer internen Absprache sollten diese Gruppierungen all die Aktionen der türkischen Agenten im Namen der El-Kaida übernehmen. Dagegen wurden sie von der türkischen Seite mit Geld und Waffen versorgt. Es geht hier um staatliche Interessen.

Die Geschichte der Ezidi-Kurden ist ähnlich verlaufen wie die der kurdische Aleviten. Es ist eine Geschichte der Verfolgungen. Im Rahmen der allgemeinen Weltpolitik, leider auch manchmal mit Hilfe von sunnitischen Kurden wurden beide Gruppen oder Ethnien verleugnet, vernichtet und vergessen. Die Eziden haben jedoch bis heute zahllose Plünderer, Vergewaltiger, Zerstörer und Vernichter überlebt: die Mongolen, Oguzen, Seldschuken, Turkmenen, Osmanen, muslimische Sultane, Wesire, Paschas, religiöse Fanatiker, El-Kaida, türkische Generäle, westliche Agenten. Auch die jüngsten Vorkommnisse werden sie überleben. Mein Herz schlägt viele Tausend Kilometer entfernt für sie, für ihre Angehörigen und Freunde. Es schlägt mit ihnen zusammen. Für die Hunderten Getöteten spreche ich mein tiefes herzliches Beileid aus und wünsche den Verletzten eine schnelle Genesung.

 

kurdroj-deutsch@hotmail.com

 

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Vebûna malperê 21.06.2005