| |
DW-INA
Großansicht des Bildes mit der
Bildunterschrift: Der UNAIDS-Direktor Peter
Piot bei der Vorstellung des Berichts in
Genf 11.000 Menschen stecken sich jeden Tag
neu mit dem HI-Virus an, vor allem Osteuropa
ist immer stärker betroffen. Diese Bilanz
zieht der Jahresbericht des
UN-Aids-Programms UNAIDS und der
Weltgesundheitsorganisation WHO.
Mehr Infektionen, mehr Tote: Trotz einzelner
Lichtblicke hat die weltweite Aidsepidemie
mit 39,5 Millionen Infizierten einen neuen
Höchststand erreicht. Bis zum Jahresende
werden sich weltweit 4,3 Millionen Menschen
neu mit dem Aidserreger HIV angesteckt
haben. 2,9 Millionen Aidstote verzeichnet
der Weltaidsbericht 2006, der am Dienstag
(21.11.) vom Aidsbekämpfungsprogramm UNAIDS
der Vereinten Nationen in Genf und Berlin
vorgestellt wurde.
Bundesentwicklungsministerin Heidemarie
Wieczorek-Zeul (SPD) betonte: "Inzwischen
sind fast die Hälfte der Infizierten
weltweit Frauen, vor zehn Jahren waren es
nur 12 Prozent."
Bis zum Jahresende werden sich weltweit 4,3
Millionen Menschen neu mit dem Aidserreger
HIV angesteckt haben - das sind 11.000
Menschen am Tag. Den stärksten Anstieg der
HIV-Infektionen gibt es dem Bericht zufolge
in Ost- und Zentralasien sowie Osteuropa:
Dort gab es 2006 21 Prozent mehr Infizierte
als noch 2004. Die Ukraine ist dem Bericht
zufolge das Land mit der größten
HIV-Verbreitung unter Erwachsenen.
Afrika und Asien am
stärksten betroffen
Bildunterschrift: Großansicht des Bildes mit
der Bildunterschrift: Zwei HIV-infizierte
indische Frauen Nach wie vor wird das Afrika
südlich der Sahara am stärksten von dem
Immunschwächevirus heimgesucht: Dort leben
fast zwei Drittel aller weltweit
Infizierten. Zwar sei der Anteil der
Infizierten in einigen Ländern der Region
zurückgegangen, diese Trends seien aber
weder stark noch weit verbreitet genug, um
die Epidemie wirklich zu schwächen, betonte
UNAIDS. 72 Prozent aller Aids-Todesfälle gab
es im Süden Afrikas.
In Asien, der am zweitstärksten betroffenen
Region, leben 8,6 Millionen Menschen mit dem
HI-Virus. In Indien sind 5,7 Millionen
infiziert, zunehmend auch Frauen, nachdem
sich ihre Männer bei Prostituierten
angesteckt haben – allein in Bombay sind
laut UNAIDS bis zu 54 Prozent der
Prostituierten HIV-positiv. Verseuchte
Drogenspritzen haben 44 Prozent der 650.000
Betroffenen in China infiziert. Dort springt
das HI-Virus immer häufiger von hoch
gefährdeten Gruppen auf die breite
Bevölkerung über. "Die Zahl von
HIV-Infektionen ist in China alarmierend",
schrieben die UN-Experten in ihrem Bericht.
Stagnierende Zahlen im
Westen
Bildunterschrift: Großansicht des Bildes mit
der Bildunterschrift: Aids gehört zu den
tödlichsten Krankheiten der
MenschheitsgeschichteIn den reichen Ländern
West- und Zentraleuropas sowie in
Nordamerika leben insgesamt 2,1 Millionen
HIV-Infizierte, etwa 65.000 steckten sich
2006 neu an. Mitverantwortlich für die kaum
sinkenden Zahlen sei auch der durch die
neuen Medikamente hervorgerufene Gedanke,
"dass HIV kein Todesurteil mehr sein muss",
sagte UNAIDS- Direktor Bertil Lindblad.
In Deutschland wurden im ersten Halbjahr
2006 insgesamt 1197 neue Fälle gemeldet. Vor
allem bei homosexuellen Männern hat sich die
Zahl der Neuansteckungen von 2001 bis 2005
wieder mehr als verdoppelt. "Aber auch
Migranten sind hier zu Lande weit schlechter
über HIV und Aids informiert als Deutsche",
kritisierte Ulrich Heide, Vorstand der
Deutschen Aids-Stiftung in Berlin.
Fehlende Behandlung
Weltweit erhalten nach UNAIDS-Angaben nur
etwa ein Viertel der 6,8 Millionen
Bedürftigen Medikamente. Im Kampf gegen Aids
fehle viel Geld: 2006 stünden weltweit
voraussichtlich 8,9 Milliarden US-Dollar
(umgerechnet 6,9 Millionen Euro) zur
Verfügung. Benötigt würden aber 14,9
Milliarden Dollar. Zahlreiche
Hilfsorganisationen klagen, dass die reichen
Länder hinter zugesagten Hilfszahlungen
zurückblieben. Würden die vorhandenen
Behandlungs- und Vorbeugemethoden umgesetzt,
ließen sich bis Ende 2020 etwa 29 Millionen
neue Infektionen verhindern, berichtete
UNAIDS. Allein bis 2015 würde das 24
Milliarden Dollar Behandlungskosten sparen. |
|