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GfbV- Bern
Anlässlich des 19. Jahrestages des
Giftgasangriffs auf die irakische Stadt
Halabja ruft die Gesellschaft für bedrohte
Völker Schweiz die Gräueltaten des
irakischen Regimes gegen die Kurden und
andere Minderheiten im Nordirak in
Erinnerung. Eine Aufarbeitung der
Vergangenheit ist unerlässlich, um den
Opfern Gerechtigkeit widerfahren zu lassen.
Unter dem Code-Namen Al-Anfal – was soviel
bedeutet wie „legitime Beute“ – wurde unter
der Führung von Ali Hassan Al-Majid, einem
Cousin des ehemaligen Diktators Saddam
Hussein, von März 1987 bis September 1988
eine militärische Offensive von
unbeschreiblicher Grausamkeit gegen Tausende
kurdische und assyrisch-aramäische Dörfer im
Nordirak ausgeführt. Der verheerendste
darunter war der Giftgasanschlag auf die
kurdische Stadt Halabja am 16. März 1988, wo
allein rund 5’000 Menschen umkamen.
Begleitet wurden die Gasangriffe von
Massendeportationen, der Zerstörung von
Dörfern, Massenerschiessungen und
Vergewaltigungen. Der Anfal-Offensive und
ihren Folgen fielen insgesamt gemäss
heutigen Schätzungen rund 182’000 Menschen
zum Opfer.
Al-Anfal war jedoch nur ein Teil der
systematischen Unterdrückung ethnischer und
religiöser Minderheiten durch das Regime von
Saddam Hussein. Während der 35 Jahre seiner
Herrschaft gab es immer wieder
Vertreibungen, Massaker und Deportationen in
Konzentrationslager; unter der Verfolgung
litten unter anderem die Schiiten, die
Yeziden, die Assyro-Chaldäer, die Mandäer,
die Juden, die Marscharaber und die
Turkmenen.
Wie der Dokumentarfilm „Al-Anfal – im Namen
von Allah, Baath und Saddam“ des kurdischen
Regisseurs Mano Khalil, der von der GfbV
kürzlich im Kino Kunstmuseum Bern gezeigt
wurde, eindrücklich belegt, sind die
vergangenen Gräuel bei Opfern und deren
Angehörigen noch heute sehr präsent.
Rund 20 Jahre später sind die Verbrechen
grösstenteils ungesühnt. Die Verantwortung
des ehemaligen irakischen Diktators im Falle
der Anfal-Operationen steht nach Ansicht
vieler Menschenrechtsorganisationen fest –
Dokumente belegen, dass Saddam seinen Cousin
Ali Hassan Al-Majid zum „totalen Krieg“
gegen die Kurden ermächtigt hat. Die
juristische Aufarbeitung der Geschehnisse
wurde jedoch durch die vorzeitige
Vollstreckung des Todesurteils von Saddam
Hussein gestoppt. Für viele Überlebende des
Schreckensregimes ist dies ein herber
Schlag, da der ehemalige Diktator lediglich
für ein Massaker an 148 Schiiten, nicht aber
für alle anderen Verbrechen zur Rechenschaft
gezogen werden konnte.
Hintergrund
Die GfbV setzt sich seit 1970 für die Opfer
des Regimes von Saddam Hussein ein. Seit dem
Sommer 2006 gibt es in Erbil/Nordirak eine
Sektion der GfbV. Sie unterstützt unter
anderem die Opfer der Anfal-Operationen und
Flüchtlinge, die im Norden des Landes
Zuflucht gefunden haben.
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GESELLSCHAFT FÜR BEDROHTE VÖLKER - SCHWEIZ
SOCIETE POUR LES PEUPLES MENACES - SUISSE
SOCIETY FOR THREATENED PEOPLES - SWITZERLAND
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